Der letzte seiner Art (Signale 61-82)

So fing alles an: Einer der letzten seiner Art stand zum Verkauf...

Eberhard Gorontzi über seinen Wartburg 1.3

Wer mich kennt und eventuell mal bei mir war und meine 353er Sammlung kennt, der weiß das ich eigentlich nichts mehr brauche. Aber die Lücken sind nun mal da, wozu auch der letzte der Art, ein Wartburg des Jahres 1991 gehört, in dem

die Produktion endete.

Die schon einige Jahre betriebene Suche danach war nicht ergiebig. Zu schlecht, zu weit entfernt, zu teuer. Und dann, die Angst etwas zu verpassen ließ die Erfahrungen vergessen und mich den Verstand verlieren. Das Angebot im Internet war aber auch zu verführerisch. Ein 1,3er von April 1991 mit allen Papieren, die man sich wünschen kann, aus erster Hand und nach der Beschreibung reichte eine große Inspektion, um sofort losfahren zu können.

Mein Gebot, was noch eher bescheiden ausfiel, kam zum Zuge und von nun an ging es bergab mit Pleiten, Pech und Pannen, um mal eine geläufige Floskel zu benutzen.

Der Wagen stand in Neuhaus im Thüringer Wald und so konnten wir den Wagen auf einem Weg mitnehmen, als wir einige Wochen später zum Treffen nach Dornburg wollten.

Der Verkäufer war zwar nicht da, aber eine unwissende Vertretung, die eine im Hinterhof liegende Halle ohne Strom-anschluss aufkurbelte und uns eines Wartburg ansichtig werden ließ, der schon auf den ersten Eindruck weit von der großen Inspektion entfernt lag und Schlimmeres befürchten ließ. Aber gekauft ist gekauft, der Wagen fuhr sogar selbst auf den Hänger.

Klugerweise hatte ich mich in dem Verließ etwas umgesehen und noch einige Teile entdeckt, die zu dem Fahrzeug gehörten. Dabei waren nur die Schweller,

die waren durchgerostet, wie es im Angebot hieß. Später stellte sich heraus, diese gehörten zum 353er, der 1,3er hat andere Punkte der Konsolenbefestigung in den Schwellern.

Mein Anruf beim Verkäufer ließ diesen zu der Zusage kommen, das ich alle fehlerhaften Teile ersetzt bekäme, die er "übersehen" habe. Schweller, hintere Kotflügel, hintere Sitzbezüge, falsche Beifahrertür usw. usw., eben was bei einer

kurzen Sichtung aufgefallen war. Raten sie mal was davon angekommen ist?

Richtig: Nichts! Trotz ständiger Mahnungen und Versprechungen. Mein Sohn und ich restaurieren jedes Jahr ein bis zwei Autos und waren der Meinung, das wir das schon hinkriegen werden (Mein Sohn hatte schon und auch der geneigte Leser wird ob meiner bis dahin gezeigten Dummheit den Kopf schütteln.)

Wir haben dann Nägel mit Köpfen gemacht und den 1,3er komplett zerlegt. Um es kurz zu machen, nach über 10 von mir bereits regenerierter Wartburg, war dies das mit Abstand schlechteste Objekt das ich je gesehen habe. Da war Rost, wo ich es noch nicht einmal für möglich gehalten hätte. Das alles in unglaublichem Umfang.

Die Karosse hat dann gleich der Schrotter mitgenommen. Vorher haben wir aber auch jedes Teil ausgebaut gehabt was nur auszubauen war, mit dem Hintergedanken am Ende nicht nur den Fahrzeugbrief als einziges Originalteil zu erhalten.

Der Rahmen war an mehr als acht Stellen durchgerostet, musste wegen der Id.Nr aber

erhalten bleiben. Da das letztlich dickes Material ist, an dem zu schweißen wäre , kam langsam Hoffnung auf. Eine Ersatzkarosse sollte sich doch wohl

finden lassen. Tat es auch in Soltau, das noch in erreichbarer Entfernung von uns liegt. Laut Beschreibung lackierfertig.

Sie ahnen es? Richtig ebenfalls nach Durchsicht Schrott, weil ein schlecht reparierter Unfallschaden und mit jeder Menge Spachtel künstlerisch wertvoll

geschönt mit Glasdach, obwohl mit Schiebedach offeriert, was auf Anfrage extra noch bekräftigt wurde. Der Schrotter hatte ein breites Lächeln auf dem

Gesicht, schon die Nummer zwei.

Nochmal keine Experimente und auf Rat meines Sohnes einen genauso seltenen 1988er, seinerzeit aus Schleswig Holstein für 2€ erworbenen 1,3er, seiner Karosse beraubt und angefangen. Sie ahnen es? Diese an sich gute Karosse hatte ebenfalls einige Schweißstellen zur Überraschung bereit.

 

wird fortgesetzt...

Eberhard Gorontzi