Was heißt... (Signale 1972-6)

.. "in Zivil" SPORTLICH fahren

Angesichts bevorstehender weißer Winterwochen scheint das Thema auf unserer Fahr­praxis-Seite wenig zeitgemäß. Wir meinen jedoch, es ist dauernd hochaktuell, gerade weil es um Sicherheit im Straßenverkehr geht. Offiziell Rennen fahren auf abgesperrtem Kurs ist zweifellos nicht jedermanns Sache, zumal nicht mit dem sorgsam gehüteten „Familienauto".

Aber weitaus häufiger wird nicht davor zurückgescheut, unterwegs „Privatrennen" zu provozieren oder sich darauf einzulassen. Dabei kommt es oft durch riskante Überholmanöver oder überhaupt durch unangemessene Geschwindigkeiten zu kritischen Situationen. Indessen hat solche Fahrerei mit Sportlichkeit nichts zu tun, im Gegenteil, sie ist unüberlegt, leichtfertig und verantwortungslos.

Man muß sich doch endlich darüber klar wer­den, daß Opas Zeiten vom sonntagmorgend­lichen, vielleicht beim Frühschoppen ausge­heckten Um-die-Wette-Fahren auf ziemlich einsamen Straßen längst vorbei sind. Un­sinnige Raserei und lästige Krawallakte durch ausgeräumte Auspuffanlagen, entfernte Rad­kappen oder handgemalter Rallyestreifen­Pseudozierat zählen keineswegs zu Kriterien von Sportlichkeit, ebensowenig freilich wie rücksichtsloses Bummeltempo, das andere Verkehrsteilnehmer behindert und unnötig zu Fahrzeugschlangen führt.

Was den wirklichen sportlichen Fahrer alltags

im Straßenverkehr auszeichnet, sind in aller­erster Linie Disziplin und Fairneß!

Das bedeutet ein stets von klarer Vernunft diktiertes einwandfreies Verhalten und umfaßt reale Selbsteinschätzung wie sorgsame Berücksichtigung aller Verkehrsverhältnisse. Wer Grundregeln mißachtet, fährt undiszipliniert, und wer andere behindert, handelt unfair, ganz zu schweigen von irgendwelcher gefahrdrohender Handlungsweise. Wer bei einer Rallye „rausfliegt", hat keine Chance mehr auf Sieg oder Platz, und auf den Alltag bezogen gilt sowas als glattes Versagen. Dies nur zur Skizzierung von Parallelen. Der gute sportliche Fahrer mag vielleicht, zugegeben, nicht gerade defensiv fahren; er geht aber absolut auf Nummer 1, auf Sicherheit und Ankommen, das „Geheimnis" vieler Dauererfolge im Automobilsport und für Unfallverhütung im Straßenverkehr. Auch das Anlegen der Sicherheitsgurte ist beispielsweise bloß ein Detail davon. Der sportlich eingestellte Fahrer wird ferner jede Gelegenheit nutzen, weitere Erfahrungen zu sammeln und seine Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu verbessern. Das geschieht am ehesten als Club-Mitglied sowie durch aktive Teilnahme an Wettbewerben, seien es Turniere oder Jedermann-Rallyes und Serienwagenrennen, an Veranstaltungen, die künftig auf möglichst noch mehr Breitenwirkung ausgerichtet werden sollten.

Denn echte Sportlichkeit äußert sich auch bei der Automobilisierung weniger durch noch so begeistertes Zuschauen, sondern in gesteigerten Qualifikationen durch Selber-Mitmachen und ständiges Üben. Zugunsten höherer Sicherheit im Straßenverkehr ist es dafür weder zu früh noch zu spät.