Sicher und sparsam (Signale 1980-2)

Sicherheitsgurte lindern Unfallfolgen, aber sie verhindern nicht von vornherein einen Unfall. Auf Sonderwunsch im 353 W (außer Tourist) serienmäßig: Sicherheitsgurte auch für drei Fahrgäste auf den Fondsitzen

Sparsam und sicher

Hauptanliegen bei der gegenwärtigen Motorisierung im Zusammenhang mit WARTBURG-Technik und -Fahrbetrieb

Ab 1. Januar besteht in der DDR — wie in vielen anderen Ländern auch — die „Anlegepflicht für Sicherheitsgurte", soweit für die benutzten Sitze Sicherheitsgurte vorgeschrieben sind.

Damit ist nun die Nutzung einer Sicherheitstechnik gesetzlich verankert, die sich bei der Erhöhung der passiven Sicherheit von Fahrzeuginsassen als die zum jetzigen Zeit-punkt effektivste Sicherheitsvorkehrung herausgestellt hat.

 

Verbrauch WARTBURG 353 W in  Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit (Werte ermittelt nach TGL 39-852)In wissenschaftlich durchgeführten Unfallanalysen wurde exakt die Funktion des Sicherheitsgurtes als hochwirksamer Lebensretter nachgewiesen. Dies gilt sowohl bei frontalen Zusammenstößen, die mit mehr als 50 Prozent häufigster Unfalltyp sind, als auch bei andersartigen Kollisionen. Bei mindestens 80 Prozent de Verkehrsunfälle kann mit angelegten Gurt lebensgefährlichen und schweren Verletzungen vorgebeugt werden. Außerdem hängt von der Benutzung des Gurtes ab, ob solche Sicherheitseinrichtungen wie etwa Knautschzonen oder versteifte Fahrgastzelle des Wagens oder Leitplanken an der Fahrbahn besser wirksam sind. Für die Ausrüstung mit Sicherheitsgurten, für die Vordersitze bei Fahrzeugen der DDR-Produktion vorgeschrieben seit dem 1. 1. 1965, wurden vom VEB Automobilwerk Eisenach die technischen Voraussetzungen schon frühzeitig insofern geschaffen, als WARTBURG-PKW vom Typ 311 bereits ab 1963 serienmäßig mit Befestigungspunkten für die Montage von Dreipunkt-Sicherheitsgurten an den Vordersitzen versehen wurden. Vom  Werk sind jedoch auch Unterlager erarbeitet worden, die eine Gurt-Montage ebenfalls bei WARTBURG« Fahrzeugen 309 und 311 der Baujahre 1955 bis 1963 noch ermöglichen. Infolge des einzuschätzenden Karosserie-Verschleißzustandes wird jedoch werksseitig eine Nachrüstung abgelehnt.

 

Ab Produktionsanlauf WARTBURG 353 W im März 1975 haben alle Fahrzeuge (außer Tourist) serienmäßig zusätzlich auch Befestigungs-punkte für Fondsitzgurte. Die entsprechende Gurtausstattung mit Dreipunktgurten links und rechts sowie einem Beckengurt ist Bestandteil des WARTBURG-Sonderwunschprogrammes.

 

Logo "Technik-Lexikon"Zur weiteren konstruktiven Verbesserung von Sicherheitsgurten verlautete aus dem DDR-Zulieferbetrieb anläßlich einer Presseexkursion u. a.: „Die Einführung von Automatik-Sicherheitsgurten wird schrittweise erfolgen und beim WARTBURG 353 beginnen, da hier die günstigsten Einbaubedingungen vorhanden sind." Ebenfalls auf erhöhte Sicherheit im Straßenverkehr orientiert die Neufassung im § 12 der DDR-Straßenverkehrsordnung, wonach mit Wirkung vom 1. 11. 1979 die zulässige Höchstgeschwindigkeit b) außerhalb von Ortschaften 80 km/h beträgt, sofern nicht durch Verkehrszeichen andere Höchstgeschwindigkeiten festgelegt sind. Diese Temporeduzierung von 90 auf 80 km/h dient jedoch vornehmlich und parallel zu erhöhter Sicherheit und größerer Flüssigkeit auf den Straßen der DDR einem sparsamen und rationellen Kraftstoffverbrauch. Berechnungen zufolge, die auf den derzeitigen DDR-Kraftfahrzeugbestand bezogen sind, können theoretisch durch die jetzige Tempolimitierung allein in der Individualmotorisierung mit PKW und Motorrädern jährlich etwa 70 Millionen Liter Kraftstoff gespart werden. Das ist gleichbedeutend mit der Einsparung von 210 000 t Erdöl.

 

Zweifellos sind damit die Sparmöglichkeiten — auch zugunsten der privaten Betriebskostenrechnung — keineswegs erschöpft.

 

Freilich wird, etwas salopp ausgedrückt, jedes Auto erst durch Zufuhr von mehr oder weniger Energie mobil. Aber schon nach technischem Zustand richtet sich, ob ein Auto zusätzlich und nutzlos Sprit konsumiert. Beispielsweise erhöhen verschlissene Zündkerzen den Verbrauch um 10 bis 20 Prozent, und ein falsch eingestellter Vergaser kann ebenfalls bis zu 20 Prozent mehr Kraftstoff kosten. AWE hat konsequenterweise seinen Kunden bereits vor einiger Zeit als Spar-Tip empfohlen, das Fahrzeug entsprechend den festgelegten Intervallen der WARTBURG-Vertragswerkstatt zur Durchsicht zu übergeben.

 

Wo allerdings tatsächlich die ergiebigste Energiesparquelle liegt, lassen folgende Daten aus einem Vergleichstest erkennen, bei dem zwei völlig identische Wagen zu gleicher Zeit über eine ausgewählte 525-km-Strecke gefahren wurden, jedoch auf ganz unterschiedliche Weise. Dabei betrug der im „Bleifuß"-Fahrstil herausgeholte Zeitgewinn nur genau 47 Minuten, während andererseits durch bewußt vernünftige Fahrweise 13,7 Liter Kraftstoff weniger verbraucht wurden.

 

Selbstverständlich ist Technik nur die eine Seite — denn daneben werden Sicherheit und Sparsamkeit im Fahrzeugeinsatz maßgebend bestimmt vom Fahrer und seiner persönlichen Fahrweise.

 


Titelbild: Sicherheitsgurte lindern Unfallfolgen, aber sie verhindern nicht von vornherein einen Unfall. Auf Sonderwunsch im 353 W (außer Tourist) serienmäßig: Sicherheitsgurte auch für drei Fahrgäste auf den Fondsitzen

Bild 1: Verbrauch WARTBURG 353 W in Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit (Werte ermittelt nach TGL 39-852)

Bild 2: Logo „Technik-Lexikon"