Wie helfe ich mir selbst (Signale 40-61)

Alternativer Schalthebel... (Martin Völz)

und wie helfen mir ande - von Dipl.-Ing. Martin Völz

"Mach das Provisorium ordentlich, das muss mindestens ein Jahr halten". So haben es mir die älteren Monteure während meiner Lehrzeit beigebracht. Bräuchte ich mit meinem Auto nicht auch hin und wieder rückwärts zu fahren, hätte ich es sicher mit dem Provisorium noch eine Weile belassen.

Vielleicht bin ich schon zu lange pannenlos mit meinen Wartburg in den letzten Jahren unterwegs gewesen, denn diesmal war ich dran. Der Schalthebel der Lenkradschaltung an meinem W 312 mit nicht originalem 353er Getriebe brach mir innerhalb einer Ortslage an einer Ampelkreuzung ab. Schnell musste ich erkennen, dass mit etwas Draht oder dem Verkeilen des Restes vom Schalthebel nichts zu machen war. Doch ich hatte Glück im Unglück, denn ich war einige Meter vor der Treckerhalle eines Landwirtes zum Stehen gekommen. Dort war Hilfe nahe, was ich zu diesem Zeitpunkt nur noch nicht wusste. Das nächste Glück war, das wir unser EDWFC-Jahrestreffen mit auf den Termin des Eisenacher Wartburg-Treffens gelegt hatten und ich so Dirk Köhne bitten konnte, mir auf dem Teilemarkt einen neuen Hebel zu beschaffen. Für 10,-€ bekam er ein leicht angerostetes Exemplar. Nun war ich wenigstens die Sorge los, dass ich andere Wege hätte finden müssen. Über Dirk Flach verabredete ich mich mit den Reparaturfreunden des Museumsvereins, die im Vereinsdomizil O5 für derlei Malessen eine kleine Werkstatt betreiben. (Ich konnte dieser Verabredung dann glücklicherweise fern bleiben, vergaß aber leider, mich abzumelden.) Immerhin musste ich noch über 20 km bis nach Eisenach kommen und ohne Schaltung mit einem per Hand am Getriebe eingestellten Gang in den Thüringer Bergen auf unbekannter Strecke stellte ich mir das nicht so einfach vor.

 

Der Landwirt mit seinen Technikern war indes auf mein optisch auffälliges Auto aufmerksam geworden. Wenn ich Hilfe bräuchte, sollte ich nur kommen. Nach dem ich herausgefunden hatte, dass sich am oberen Restende (zum Lenkrad hin) der Schaltstange die Gänge mit dem beherzten Zugriff mittels Wasserpumpenzange einlegen ließen, dachte ich mir, dass das mit einer fest angeschraubten Stange auch gehen müsste. Mit dieser konkreten Vorstellung ging ich zu den Treckertechnikern, die schnell verstanden, was ich wollte. Nach einigem suchen in diversen Regalen und Kisten fanden sich Seilklemmen in verschiedenen Abmaßen. Noch ein Edelstahlblechprofil unter der Werkbank weggefunden und schon konnten Feinanpassung und Zusammenbau des Provisoriums beginnen. Das Teil ließ sich so fest mit der Schaltstange verschrauben, dass es beim Gangwechsel nicht verrutschte. Ich musste nun noch die Hebelei der Schaltung exakter einstellen, um auch elegant die Gangwechsel von der Kulisse 1./2. und 3./4. Gang vollziehen zu können. Das dauerte einige Zeit und ein paar Proberunden um die Halle. Dabei bemerkte ich, dass man im Notfall mit stark schleifender Kupplung und Gefühl im 3. Gang auf ebener Strecke anfahren kann. Bergauf an einer Ampel hätte man sicher arge Schwierigkeiten. Nachdem ich mich in die neue Schaltmechanik eingewöhnt hatte, verabschiedete ich mich dankend von meinen freundlichen Helfern und spendierte per Geldschein jedem ein Bier.

 

Es ging vorwärts, auf den Rückwärtsgang verzichtete ich unter diesen Umständen gern. Die Fahrt nach Eisenach verlief recht problemlos und ich beschloss, den Schalthebel erst zu Hause zu wechseln. Auf der Autobahn muss man nicht so viel schalten und wenn es nicht anders geht, muss eben rückwärts geschoben werden.

 

Das Provisorium bekommt einen festen Platz in meinem ständig mit zu führenden Ersatzteilfundus. Der Nachbau, entsprechend den Bildern, ist für alle Fälle empfehlenswert. Früher wäre das einen Neuerervorschlag wert gewesen. Ich kann mich nur nicht erinnern, dass es damals Seilklemmen gab ...

 

Vorwärts immer, Rückwärts nimmer, mit provisorischem Gruß