Dornröschenschlaf N°2 (Signale 52-73)

Der Autor bei der Unterboden-Inspektion

Ein (noch) passives Mitglied berichtet

 

Wer erinnert sich beim Blick auf die Überschrift und den Fotoausschnitt an meinen Bericht in der "Signale", Frühjahr 2012?

Eigentlich wollte ich bereits vor einem Jahr meinen 311 nach Lauterbach holen. Jedoch hatte der Garagennachbar das Fahrzeug mit seinem vielen Hausrat hoffnungslos zugestellt. Nun endlich war dieses Vielerlei des "Blockierers" – so bezeichnete ihn EBERHARD einmal in einer email an mich –  beseitigt.

Nun konnte ich den Wartburg nach Lauterbach holen.

Nun also mein Bericht über die "Bergung".

Nun jetzt N°2:

 "Dornröschenschlaf N°2".

Eigentlich wollte ich das wunderschöne Oktoberwetter nutzen, vor dem ungemütlichen Novemberwetter.

Nun wechselte das Wetter abrupt. In der Nacht vom 26. zum 27. Oktober und wurde zu Novemberwetter mit 5-10 cm Schnee. Eine gesalzene A4/A5 war dann die Realität.

Wie sagte doch JOHN LENNON? ("Life is what's happening …")

Mehr als ein "little help" war jetzt nötig.

Vater, Neffe und aus Erfurt mein Svalbard-Wander-/Bergsteiger-Kamerad TIMM halfen mir mit Rat und vor allem tatkräftig.

Erster Test: Alle 4 Räder ließen sich leicht drehen.

Jeder von uns weiß, was zunächst getan werden muss.

Nach einem Jahrzehnt auf 4 Böcken muss erst einmal Luft in die Reifen.

Sämtliche Reifen klangen sehr leer. Diagonalreifen mit Schläuchen, Alter unbekannt.

Bange Frage: Werden die Reifen die Luft halten und wie lange?

Kleines erstes Problemchen:

Die Ventileinsätze im Schlauchventil sitzen zu tief, es geht keine Luft hinein.

Und diese Ventileinsätze waren fest wie festgeschweißt.

Mit einer guten alten Metallventilkappe und einer Zange ließen sie sich schließlich lösen und so konnten wir Luft pumpen.

Vorsichtshalber pumpte ich natürlich auch das Reserverad auf.

Erstaunlich, wie viel Luft in 10 Jahren verschwindet! Und zwar aus allen 5 Rädern. Nahezu null bar waren noch vorhanden.

Dass ich mal da in die Ecke rein kriechen muss, weil ja logischerweise nach Jahren zunächst Luft gepumpt werden muss, dies hatte ich vormals nicht im geringsten bedacht.

Nacheinander hochgehoben und die 4 Böcke entfernt, stand das Auto nach über 10 Jahren wieder auf seinen Rädern.

Aber, wie hatten wir nur damals das Auto so quer an die Wand bekommen? Keine Erinnerung mehr. Die Lenkung war leichtgängig, die Reifen hatte ich auf 2,5 bar gepumpt.

Vorschlag von Vater: Schieben, immer wieder hin und her. Klare Arbeitsteilung, mein Vater passte auf die Fahrzeugecken auf, HANNES schob, ich lenkte.

Und tatsächlich: Mit einem halbdutzend Male hin und her war das Auto aus seiner kreativen Parkposition befreit.

Wichtig war mir damals, dass das Fahrzeug trocken und luftig stand! Was meint ihr:

Haben jahrelange Staubschichten irgendwie positiv konservierende Wirkung? Ich hoffe es. Glücklicherweise war durch die einen Spalt geöffneten Fenster wenig Staub ins Innere gelangt. Ich war naiv!, hatte nicht einmal eine Decke über die Sitze gelegt; erstaunlich, die Sitze waren "fast wie neu".

Am nächsten Vormittag dann die bange Frage des Vortags noch einmal: Hat die Luft gehalten?

Große Freude: Offenbar halten die Schläuche und Ventile ziemlich dicht.

Das vorhergesagte "Novemberwetter" allerdings war 100prozentig eingetroffen.

Mein verlässlicher Kamerad TIMM kam wie von ihm gesagt pünktlich 8 Uhr mit seinem Sprinter nebst Trailer vorgefahren.

Jetzt musste das Fahrzeug aus der Garage raus, sogleich rechtwinklig auf den deutlich abschüssigen Grundstückrückseitenweg und dort auf den Trailer.

Meine 4 V als ehemalige Arbeitsschutzkraft:

Vorsicht verhindert völliges Versagen.

Das Versagen der Bremse würde einen Crash bedeuten!

Also Test in der ebenen Garage. Zweites Problemchen:

Die Fußbremse trat ich trotz mehrfacher Betätigung immer ins Leere. Keine Chance.

Einzige Hoffnung die Handbremse. Mechanik sei Dank, diese funktionierte tadellos. Sie blockierte sogar  richtig und sie löste auch wieder.

Sicherheitshalber doch noch einen Holzbalken mit Abstand  quer davor und das Auto rollte an den Trailer.

Die Probleme wollten nicht enden, ein drittes Problemchen bereitete uns Kopfzerbrechen:

Die Spurweite des 311. Eigentlich war aber der Trailer das Problem. Vermutlich S-Klasse-tauglich, war zwischen den beiden Rampen so viel Platz, dass die Reifeninnenkanten des 311 geradeso noch auf den Blechen standen. Bei den Anlegerampen mussten wir sogar daneben  Holzbalken stapeln, damit sie nicht nach innen wegkippen.

Bei dem Nullgrad-Mistwetter war uns nicht zum Fotografieren, man verzeihe mir bitte. Auch wäre wohl eine handfeste Outdoordigicam erforderlich gewesen.

 

(hier stelle sich deshalb jeder ein Foto mit halb auf den Trailer gezogenen 311 bei denkbar schlechtestem Wetter vor)

 

Das "Jena-Abschiedsfoto" entstand vor der Auffahrt auf die A4 unter teilweisem Schutz der Bushaltestelle in Jena-Neulobeda/West, ein paar Wassertropfen konnte ich nicht verhindern.

Die Wetterlage unverändert, die radioangesagten Unfallstellen waren erfreulicherweise geräumt, so fuhren wir die knapp 200 km von Jena nach Lauterbach, 36341 Lauterbach/Hessen.

Es nieselte, die Autobahnen waren gesalzen und so war der 311 ebenso  rundum gepökelt. Ein wenig war dafür die Schmutzschicht vorgeweicht.

Angekommen bei mir auf dem Burghof hieß es also, auf dem Trailer alle 6 Seiten des Autos gründlich zu kärchern.

Dann stellten wir zum Abtropfen das Gespann vor die neue Unterkunft und gingen in die "Wachtel" mittagbroten.

Das Abladen war, "holzklotzgesichert" wieder, diesmal 10-Minuten-Sache.

Das Bild unten fotografierte ich am Tag des Offenen Denkmals vom Lauterbacher Kirchturm. In der halb durch die Birke verdeckten Garage steht nun der Wartburg.

Vielleicht stehen einmal bei einem Jahrestreffen des EDWFC die Fahrzeuge unserer Mitglieder neben dem Brunnen?

 

Bis später wieder.

 

 

/ Torsten Lucas

t.lucas@arcor.de