Das Jahr der Krise (Signale 52-73)

Den Abgrund überwunden

Vor 10 Jahren stand der EDWFC vor dem endgültigen Aus

 

Es herrschte eine eigenartige Stimmung, als sich der Erste Deutsche Wartburg Fahrer Club zu seinem Jahrestreffen 2001 in Berlin traf.

So irgendwo zwischen Resignation, Wehmut und Trotz bewegten sich die Gefühle der letzten Unentwegten, der Übriggebliebenen, der Neugierigen und der Unentschlossenen, die sich hier noch einmal getroffen hatten.

Hätte Martin Völz dieses Treffen nicht organisiert, wäre der EDWFC vermutlich ganz sang– und klanglos in der Versenkung des Vergessens verschwunden.

Zehn Jahre nach seine Gründung im März 1991 waren viele der Gründungsmitglieder längst nicht mehr an Bord. Gründe gab es dafür viele: Verlagerung persönlicher Interessen, Familiengründung, Karriereplanung, Gründung regionaler Clubs und eine zunehmende Individualisierung in der Szene hatten zu einer spürbaren Dezimierung der Namen auf der EDWFC-Mitgliederliste geführt.

Die verbliebenen Mitglieder waren überwiegend passiv oder kämpften verzweifelt mit ihrer Frustration. Waren in den Vorjahren jeweils noch drei bis vier Ausgaben der Vereinszeitschrift Wartburg-Signale erschienen, brachte der Club 2000 nur noch ein einziges Heft heraus.

Und auch das soll nicht unter den Tisch gekehrt werden: Interne Querelen und Streitereien hatten dem Club intern in hohem Maße geschadet. Irgendwann verschwand dann auch noch plötzlich und unerwartet der Erste Vorsitzende des Clubs.

So war es kaum verwunderlich, das zur Jahreshauptversammlung in Berlin ganz offen und ernsthaft über die Auflösung des EDWFC diskutiert wurde.

Zuviel war geschehen, der Neuanfang erschien manchem Mitglied gar nicht mehr lohnend.

Aber es meldete sich auch Widerstand.

Warum alles aufgeben?

War wirklich alles so schlecht?

Lohnte ein Neustart wirklich nicht mehr?

Am Ende dieser Jahreshauptversammlung herrschte tatsächlich Aufbruchsstimmung.

Alle Anwesenden waren sich darin einig, dass der EDWFC nicht aufgelöst werden sollte, das ein nationaler Verein für Wartburgfahrer durchaus seine Berechtigung habe und das es einfach viele weitere Gründe für einen Fortbestand gäbe.

Es fanden sich auch Teilnehmer, die dazu bereit waren sich stärker als bisher zu engagieren und den Verein damit tatkräftig zu unterstützen.

Damit konnte ein neuer Vorstand gewählt werden.

In den danach folgenden Wochen und Monaten erschien auch die Clubzeitschrift wieder regelmäßig. Seit Frühjahr 2002 als gemeinsames Heft mit der Vereinszeitung der Rheinländer Wartburg Freunde & IFA FREUNDE RHEINLAND als „IFA-Kurier & Wartburg-Signale“.

Hoffentlich nimmt es mir keiner übel, wenn ich hier ganz offen bekenne: Ich bin schon ein bisschen stolz darauf, dass seither das ursprüngliche Ziel der Gründungsväter der Wartburg-Signale erreicht wurde und in jedem Jahr jeweils vier Ausgaben ihre Leser erreichten.

 

Seit 1992 die „Namenlose“ erstmals erschien sind insgesamt 83 Hefte (aller drei Titel) erstellt worden.

Seit 1998 der erste IFA-Kurier erschienen ist habe ich dessen Redaktion betreut.

Ab 2001 parallel auch noch die Redaktion der Wartburg-Signale.

Seither habe ich 54 Hefte von IFA-Kurier, der Wartburg-Signale und der Kombi-Ausgabe IFA-Kurier & Wartburg-Signale herausgebracht.

Das war und ist nicht immer leicht.

Viele wollen gern ein Clubheft. Jedoch nur wenige sind bereit dafür auch etwas zu tun.

Das war zu jeder Zeit so. Auch andere Vereine der Szene kämpfen mit einer Vielzahl passiver Mitglieder.

Jedoch lässt der Blick über den Rand des eigenen Tellers schon manchmal den Verdacht aufkommen, anderswo gibt es vielleicht doch noch mehr Aktive.

Die, trotz aller Bemühungen, schwankende Qualität der Heftinhalte geht nicht zuletzt darauf zurück, dass der Redakteur fast immer allein im eigenen Saft kocht.

Die Historie der Fahrzeuge ist hinreichend beleuchtet worden. Selbst Nischenprodukte wurden eingehend untersucht. Wirkliche Überraschungen stehen eigentlich nicht mehr an.

Da ist es schon ein Leckerbissen, wenn irgendwer mal wieder den verzweifelten Versuch unternimmt mit der Historie des DDR-Fahrzeugbaus Geld zu verdienen. Egal, was nun aus dem Elektrotrabi von Herpa und der Elektroschwalbe wird. Berichte über Themen wie diese sind so ein bisschen das Salz in der Suppe eines Redakteurs. Genau so wie die Thematik E10.

Ein aktuelles Thema mit unmittelbarem Einfluss auf unser Hobby, auf unsere Fahrzeuge. Das macht Spaß.

Meine persönliche Motivation vier Mal im Jahr eine Zeitung zu erstellen besteht jedoch darin, sich mit Freunden und Bekannten zu treffen. Deren Freude an den Fahrzeugen, evtl. neue Informationen oder der Hinweis auf alte aber trotzdem interessante Themen rund um unser Hobby lassen mich doch immer wieder vor dem Computer sitzen und an einer neuen Ausgabe arbeiten.

Pro Doppelseite bedeutet das ungefähr eine Stunde Arbeit.

Dazu kommen Vorbereitungen, Recherchen, Binden und Versand der durch Jürgen Wollhofer seit Jahren in bester Qualität gedruckten Zeitschriften.

Wer jetzt ein wenig nachkalkulieren möchte, dem sei gesagt: 15 bis 20 Stunden pro Ausgabe sind die Regel.

Das klingt nicht viel für ein Vierteljahr, aber möchte vielleicht jemand übernehmen?

Mal anders ausgedrückt: zwischen 60 und 80 Stunden pro Jahr heißt acht bis zehn Tage zu je acht Stunden im Jahr - natürlich Urlaubstage!

Der EDWFC hat seine Krise  zur Jahrtausendwende gut überwunden.

Der Verein macht vielen seiner Mitglieder Spaß.

Auch ich habe bislang keine Stunde bereut. Aber Motivationskrisen gab es und gibt es immer wieder.

Deshalb tut mir und Euch den Gefallen und schickt einfach mal ein paar Artikel für unsere gemeinsame Zeitschrift IFA-Kurier & Wartburg-Signale ein.

Ich will jetzt nicht darüber tönen, dass wir damit die nächsten zwanzig Jahre überstehen. Aber so ganz insgeheim hoffe ich doch, dass es immer wieder weitergeht und wer weiß, vielleicht feiern wir bald wieder einmal ein Jubiläum.

Darauf freut sich schon jetzt Euer

 

/ Stephan Uske