Der letzte seiner Art (Signale 62-83)

Eberhard Gorontzi über seinen Wartburg 1.3 - Teil 2

 

Nachdem die Bestandsaufnahme, wie im ersten Teil des Berichtes nachzulesen, ein insgesamt recht enttäuschendes Ergebnis brachte, soll nun der Rahmen des Wartburg 1,3 neu aufgebaut werden.

Die festgestellten Durchrostungen an so neuralgischen Stellen wie den hinteren Federaufnahmen,

 den seitlichen Karosserieaufnahmen und den Querlenkeraufnahmen der Vorderachse lassen an der bekannten Weisheit: „Vermeide Dramen, wähle Rahmen!“ dann doch den einen oder anderen Zweifel aufkommen.

Die Karosse wird geschweißt.Das damit der Wagen noch lief, grenzt fast ans Wunderliche und ist wie bei einem Fachwerkhaus wohl so, dass das Ganze in sich haltbar ist. Wobei, der Wartburg ist fast ideal zu restaurieren, denn nach Trennung von Rahmen und Karosse sind alle Stellen gut zu erreichen.

Zuerst habe ich den Rahmen in seine Einzelteile zerlegt und eine erste Reinigung mit dem Kärcher vorgenommen.

Die Bolzen der Radführungen waren so festgerostet, das dabei nur noch ein Schweißbrenner weiter half und selbst das erforderte noch viel Mühe, es gelöst zu bekommen Anschließend den Nadelentroster ein Druckluftwerkzeug mit leider hohem Luftverbrauch eingesetzt. Das hat zwei Vorteile:
Erstens sind die gröbsten Rostund Dreckstellen beseitigt und Schäden damit erkennbar geworden.

Zweitens wird das anschließend notwendige Sandstrahlen deutlich billiger, weil weniger zeitaufwendiges Strahlen damit verbunden ist.

Der Rahmen hinten ist fertig.Ein sauberer Rahmen stellte sicher, die selbst zu fertigenden Reparaturbleche fest und stabil einschweißen zu können. Das erfolgt bei mir Stoß auf Stoß, bzw. in der Art, wie es ab Werk vorgegeben war. Die Bleche anzufertigen dauert, wenn wie bei mir dafür nur Schraubstock und Hammer zur Verfügung stehen, etwas länger. Teile für den Rahmen habe ich bisher nicht angeboten gesehen, da bleibt nur die Selbstanfertigung.

Ein heikles Kapitel sind die hinteren Federaufnahmen der Radlenker, denn hier ist das Material doppellagig, die Roststücke sind schwierig auszutrennen und genauso heikel Teile einzusetzen und zu versäubern. Die Schweißung erfordert Genauigkeit, denn hier greifen später hohe Kräfte an, so manche Feder ist an dieser Stelle eingebrochen.
Danach wurde der Rahmen erst mit Epoxid-Grund grün vorgestrichen, es folgte jeweils ein Anstrich mit Brantho Korrux weiß und LKW-Chassislack in anthrazit. Die Farbwahl in unterschiedlichen Farben garantiert, keine Flächen auszulassen, das sieht man sofort.

Die Radaufnahmen, Bremsen und sonstigen zum Rahmen gehörende Bestandteile wurden demontiert, revidiert, gefettet oder erneuert. Besonders die Bremsanlage ist deshalb heute wie neu. Einige Kugellager hatten Spiel, also neu und das ganze frisch gefettet zusammengesetzt. Die Bremsleitung nach hinten habe ich neu angefertigt, die Benzinleitungen erhielten neuen Lack.

Noch einmal der fertige Rahmen von oben.Da die Bremse im Neuzustand ist werde ich hier erstmals keine normale Bremsflüssigkeit sondern Silikon verwenden. Dann ist keine spätere Erneuerung mehr erforderlich. Die Bremsscheiben vorn und Bremstrommeln hinten hat ein Freund überdreht. Die neu gekauften hinteren Bremsbacken ließen sich jedoch erst einbauen, nachdem an verschiedenen Stellen dieser aus einer Nachfertigung stammenden Teilen nachgebessert wurden.

An Motor und Antrieben war weniger Arbeit erforderlich als zunächst gedacht. Zuerst die Kärcher-Reinigung und Eisstrahlen, was ein Bekannter für wenig Geld erledigte. Dann Zahnriemenwechsel, Zündpunkt eingestellt, neues Zündgeschirr mit Kerzen, das war es.

Die Antriebe waren ohne Spiel, jedoch waren die Gummi zu tauschen weil alt oder brüchig. Ärgerlich aber bei 25 Jahren wohl eher normal, ist das wegen der erforderlichen Demontagearbeiten doch recht zeitaufwendig.

Das Getriebe erhält neues Öl und zur Vorsicht neue Wellendichtungen. Die Antriebsglocken sind unterschiedlich: rechts klein und links groß. Entweder wurde damals alles verbaut was noch im Regal lag oder sie wurden bereits früher einmal erneuert.

Die Schwenklager mussten neue Abdichtungen erhalten und wurden gleichzeitig neu gefettet. Bei mir inzwischen fast eine Routinearbeit geworden, sooft reißen diese. Die Qualität ist wohl bei heutigen Teilen recht niedrig.

Das Lenkgetriebe wurde zerlegt, neu gefettet und die Manschetten getauscht, weil gerissen. Da das Gehäuse aus Aluguss ist und schnell wieder anläuft habe ich hier ein neues Mittel eingesetzt. Multi Film aus dem Hause Holdt, ein Rostprimer in Transparent als Decklack. Damit sind auch alle verzinkten Teile konserviert worden, da habe ich früher Wachs eingesetzt.

Auf gereinigten Flächen bleibt ein schöner Patinaeindruck gewahrt.

Motor und Getriebe nach erfolgreiche Montage im Rahmen.Nachdem noch die Motorund Getriebelager verzinkt und überholt wurden, konnte der Zusammenbau beginnen.
Das ist fast ein reines Vergnügen, das nur dann etwas getrübt wird, wenn denn nicht sofort alles so flutscht wie es sollte.

Der Wartburg 1.3 soll später mal ein Zweitwagen für alle Tage sein, außer im Winter und deshalb muss ein Kat sein. Der ist zwar da, wenn auch ungeregelt. Ob Nachrüstung mit Lambdasonde oder Kaltlaufregler, das muss ich noch in Erfahrung bringen.

Jetzt macht die Restaurierung wieder Spaß und wird mit der Blechhülle/den Karosseriearbeiten fortgesetzt.

 

/ Eberhard Gorontzi

 


Titelbild: Der Rahmen in strahlendem Weiß

Bild 2: Die Karosse wird geschweißt.

Bild 3: Der Rahmen hinten ist fertig.

Bild 4: Noch einmal der fertige Rahmen von oben.

Bild 5: Motor und Getriebe nach erfolgreiche Montage im Rahmen.