Der letzte seiner Art (Signale 63-84)

Die Karosse sitzt nach dem Lackieren wieder auf ihrem Fahrwerk

Ein Wartburg 1.3 will zurück ins Leben

Wie im ersten Teil erwähnt musste eine Ersatzkarosse gefunden werden, da die ursprüngliche mit vertretbaren Mitteln nicht hätte gerettet werden können, wofür ein vorhandener aber nicht kompletter 1989er sein Leben ließ. Ausgebeint von allen Teilen, blieb die nackte Rohkarosse. Leider geht die Verwendung für den 1991er nur, wenn all die Änderungen vorgenommen werden, die in der recht kurzen Produktionsdauer vorgekommen sind. Im Wesentlichen waren dies:

Verschweißen der Typbezeichnungslöcher hinten, Anbringen der Öffnungen für den seitlichen Steinschlagschutz, Montieren einer hinteren Abschleppeinrichtung und letztlich Überarbeitung der vorderen Spritzwand. Da sowohl die Pedalerie als auch der Gaszug 1991 verändert worden sind macht dies eine der gravierendsten Unterschiede aus. Heikel war ebenso, die  Ursprungsnummer an der Spritzwand anzubringen, die aus dünnstem Blech besteht und an die Wandung angeschweißt sein will ohne zu verglühen.

Leider erwies sich die Karosse nicht so rostfrei wie erhofft. Die typischen Stellen hinten an den Schwellern mussten  erneuert werden, dazu kam der Übergang zum Radhaus, wo die Gummi zur Abdichtung sitzen, wenn der Rost sie nicht hat herausfallen lassen , wie in diesem Fall. Der Unterboden war an den Gurtaufnahmen in der Mitte zwischen den Sitzen faul. Da musste ein neues Blech eingesetzt werden. Das Verstärkungsblech darunter habe ich neu angefertigt und mit den alten Verschraubungsstücken ausgerüstet. Das geht nicht anders, weil das Zollgewinde darin dies bestimmt. Dafür habe ich keine passenden Gewindeschneider und auch niemand, den ich danach hätte fragen können. Unter der hinteren Sitzbank sitzt ein Verstärkungsstück, das mit dem Karosserieblech darunter eine Doppelung bildet. Natürlich weggerostet und demzufolge zu ersetzen.

Vorne die üblichen Löcher zwischen Schwellern und zum Radhaus hin, was mit einigen selbst gefertigten Blechen leicht auszubessern ging. Die Ohren der Schutzblechhalterungen waren ebenfalls zu richten und ein Loch zwischen Unterboden und vorderem Dreieck zur Spritzwand hin. Die Kotflügel hinten gingen in den Schrott, da hatte ich noch Ersatz im Fundus. Vorne war überraschenderweise alles im grünen Bereich, hier wäre Ersatz teuer geworden.

Darum rette ich vorn - wenn nötig - selbst hoffnungslose Fälle.

Die Türen waren hinten hin, weshalb die aus dem Spender verwendet wurden, die sich vom Original nicht unterscheiden. Die Fahrertür blieb erhalten, nachdem dort die Unterkante ausgebessert werden konnte. Die Beifahrertür hatte ich beim Abholen des Ganzen ja noch aus dem Chaos geborgen. Obwohl völlig rostfrei, hatte diese von einem Unfall mehr das Aussehen einer Ziehharmonika.

Nachdem diese kunstvoll gerichtet war, eigentlich das einzige wirkliche Originalteil.

Nun folgten die Vorarbeiten für die Lackierung. Entfernen des unteren und inneren Antidröhnschutzes, soweit nach den Schweißarbeiten noch vorhanden.

Dafür habe ich einen Nadelentroster eingesetzt, der sehr gute Arbeit leistet, dafür Muss aber ein leistungsfähiger Kompressor vorhanden sein. Meiner läuft dabei über seiner Leistungsgrenze, dafür der professionelle Baukompressor meines Nachbarn nur im Leerlauf, sodass das in einem Nachmittag erledigt war.

Das Anbringen der Schallschutzmatten mit der Heißluftpistole ging schnell, das Material von Teroson ist inzwischen leider sehr teuer geworden. Die Kotflügel vorn und hinten erhielten neuen Steinschlagschutz aus der Spritzpistole.

 

Die Vorbereitungen für den Farbauftrag mit Schleifen, Spachteln, Schleifen erledige ich immer selbst, das dauert und spart gleichzeitig, so das der Lackierer nur noch den Farbauftrag zu erledigen hatte. Dabei sind alle Teile nicht montiert. So erhalten auch die Flächen einen Farbauftrag, aus denen es sonst immer wieder rosten würde. Selbstverständlich sind diese Partien mit Rostschutzfarbe vorgestrichen gewesen. Der Unterboden erhält einen zweifachen Farbanstrich per Pinsel. Die Farbschicht ist dicker als wenn gespritzt würde

und es gibt keinen Farbverlust durch sprühen, was bei den heutigen Farbpreisen durchaus ins Gewicht fällt.

Nachdem die Teile wieder da waren, begann der Zusammenbau. Natürlich ist  die Hochzeit von Rahmen und Karosse ein besonderes Ereignis und motiviert voll für die noch notwendigen Arbeiten.

Die Montage der Kotflügel geht schnell, die Hauben wollen dagegen genau eingestellt sein. Vor den Türen und Scheiben Muss der Innenhimmel , der neu kam, eingesetzt werden. Dann kommen die Front- und Heckscheibe an die Reihe.

Die lassen sich leichter Einsetzen, wenn die Gummi und Karosseriekanten leicht mit Vaseline behandelt wurden. Das Schiebedach kommt danach und so langsam entsteht der neue alte 1991er. Wenn die Türen sitzen, kann deren Innenleben montiert werden, was auch geht, wenn diese erst komplettiert werden. Sie sind dann aber sehr schwer geworden, was die Arbeit nicht erleichtert. Fehlen eigentlich nur noch die Stoßstangen, sie waren äußerlich gut und innen verrostet. Deshalb hab ich sie in der Feuertonne abgebrannt und die Pulverbeschichtung erneuern lassen. So sollten sie die nachfolgenden Jahre überdauern.

Eines möchte ich noch erwähnen gerade weil es die meiste Arbeit macht. Dies sind die vielen und an allen Teilen notwendigen Reinigungs- und Aufbereitungsarbeiten, damit aus einem unansehnlichen Gebrauchtteil wieder ein Neuteil entsteht. Das ist dann zwar nicht ganz so perfekt wie dies, lässt aber soviel Patina noch durchblitzen, das am Ende ein stimmiges Bild  vorliegt.

Leider gingen die Arbeiten nicht so schnell wie das Lesen und haben rund vier Monate beinhaltet und es wird noch etwas dauern bis er endgültig fertig wird.

 

Der geneigte Leser wird bemerkt haben, das ein wesentlicher Teil noch fehlt, wenn das Fahrzeug wieder fahren soll. Die elektrischen Arbeiten schildere ich deshalb in dem abschließenden Teil.

 

Bis bald

Eberhard Gorontzi