O-Ton: Technik unter der Lupe (Signale 66-87)

Titelbild der Ausgabe 1/1976

Aktuelle Reifenfragen

An der Aufstandsfläche des Reifens sind alle Antriebs-, Brems- und Seitenführungskräfte zu übertragen. Dort nun ist die Zeit des „Nagelbettes" endgültig vorbei. Letzter Termin in der DDR ist der 31. März, in verschiedenen anderen Ländern bestanden schon vor dem zu Ende gehenden Winter Verbote von Spikesreifen. Freilich, die bessere Rutschfestigkeit genagelter Pneus auf Glatteis war und bleibt unbestritten. Andererseits stand diese Reifenart mit schlechtem Fahrverhalten auf nasser und trockener Fahrbahn von Anfang an in der Kreide.

Vor allem aber frästen die Nagelpneus auf schnee- und eisfreien Straßen tiefe Rinnen in die Fahrbahnen und beschworen dadurch erhöhte Aquaplaninggefahren herauf. Dies nun ist Stichwort für einen Frühjahrs-Fahrtip. Anlaß dazu geben Widersprüche zwischen mancherlei hochgestochener Werbung und rauher Wirklichkeit. So bestätigte selbst die von namhaften westeuropäischen Reifenfirmen entwickelte Generation sogenannter Haftreifen, daß es den universell optimalen Winterreifen eben nicht gibt. Ebenso steht es mit dem „Regenreifen", den diese oder jene Reklameverse als „absolut aquaplaningsicher" preisen. Aber auch mit raffiniertesten Reifenprofilen ist nicht um physikalische Gesetze herumzukommen. Das bedeutet für die Fahrpraxis jetzt, mit Frühjahrstauwasser in den Fahrbahnrinnen und auch später bei Regennässe, daß rechtzeitig verminderte bzw. von vornherein gemäßigte Geschwindigkeit am ehesten ein gefährliches „Aufschwimmen" verhindert. Der WARTBURG ist mit den serienmäßig montierten Radialreifen des Markenfabrikats Pneumant von Hause aus wirklich sehr gut bestückt, nur muß darauf geachtet werden, daß auch im Sommer die Profiltiefe an keiner Stelle der Reifenfläche unter 1,5 mm, besser aber 2 mm, abgefahren sein sollte.

 

 

„...Ausgleichsbehälter"

Die eingangs in unserem Hauptbeitrag genannte Maßnahme „Einsatz eines kosten-günstigeren Ausgleichsbehälters für das Kühlsystem" am WARTBURG 353 W ist ein Beispiel dafür, daß und wie im Werk und in sozialistischer Hilfe für Kooperationspartner alle Anstrengungen darauf gerichtet sind, auch bei scheinbaren „Nebensachen" rationeller, mit höherem Gebrauchswert und größerem Nutzen zu produzieren. Im Werk konnte der Überleitungstermin vorverlegt werden. Der neue Behälter, mit dem 0,8 Liter Kühlflüssigkeit weniger benötigt werden, wird durch zwei Bügel, die innen am Kotflügel angepunktet sind, befestigt. Das ergibt vereinfachte Montage, bessere Sichtkontrolle des Kühlflüssigkeitsstandes, Wegfall der bisher angeschraubten und störanfälligen Halterung. Unterm Strich stehen 177 TM Einsparung pro Jahr, verbesserte Qualität, erhöhter Gebrauchswert.

 

Neuer Vergasertyp

Eine weitere qualitative Verbesserung des WARTBURG 353 W bedeutet die Weiterentwicklung des Vergasers 40 F 1 durch den Hersteller, im Dezember 1975 liefen bereits Fahrzeuge zur Nullserienerprobung mit dem Vergaser 40 F 1-15. Dieser neue Vergaser unterscheidet sich vom bisherigen Typ durch sein Leerlaufsystem. Es gewährleistet unabhängig von den Stellungen der Leerlaufluftregulierschraube, mit der eine etwa fünffach feinere Einstellbarkeit ermöglicht ist, und der Leerlaufanschlagschraube die stetige Einhaltung der u. a. in der ECE-Regelung Nr. 15 festgelegten zulässigen Kohlenmonoxidemission von max. 4,5 Vol.-Prozent im Leerlauf des Motors. Das ist also zu werten als weiterer Beitrag zur Automobil-Umweltfreundlichkeit.

 

Dieser Artikel erschien in der Wartburg-Signale 1/1976

Mehr historische Texte aus der Wartburg-Signale auf dieser Homepage


In loser Folge veröffentlichen wir unter dieser Rubrik Texte aus der über 45 jährigen Geschichte unserer Zeitschrift „Wartburg-Signale“. Diese Artikel bieten oftmals einen interessanten Einblick in die offizielle und zeitgenössische Sichtweise des Werkes auf das Produkt Wartburg und seine Technik.

 

Kommentare

Zur Sicherheit an dieser Stelle noch einmal der Hinweis: Es handelt sich hier um einen historischen Originaltext aus der Wartburg-Signale von 1976. Evtl. haben sich Technik und  rechtliche Rahmenbedingungen seither geändert!
 

By Stephan