Ganz schön Theater (Signale 69-90)

Bad Doberan – der Molli mit zwei Essener Wartburg - Foto D. Köhne

Erinnerungen zum Besuch des Historienspektakel in Prenzlau 2011

In der Ausgabe Winter 2015 las ich den Bericht von Martin zum Historienspektakel 2015. Dies nehme ich als Anlass, meinen begonnenen Bericht zum Historienspektakel 2011 fertig zu stellen. 2011, dem Jahr, in dem Jürgen und ich zum ersten Mal dort zugegen sein konnten und im Hause Sylke und Martin Völz freundlich aufgenommen wurden und Unterschlupf fanden. Hier nun der Bericht…

…Fortsetzung…

 

Freitag 09.September 2011, die Premiere…

Mittwoch war Generalprobe, Donnerstag war Theaterfrei, heute ist Premiere des 12. Historienspektakels auf der Freilichtbühne zu Prenzlau.

Frühstück, morgendliche Besichtigung von Martins Garage und der Marienkirche, Eis essen und gemeinsamer Mittagstisch sind (momentan) vergessen. Jetzt wird es ernst!

Treffen gegen 18:30 Uhr. Um 20:00 Uhr startet die Vorstellung. Die Zuschauerränge füllen sich zusehends. Die zwischendurch von einigen Beteiligten ausgesprochene Befürchtung zu möglicherweise geringen Zuschauerzahlen bewahrheitet sich nicht.

In der Theaterpause treiben Jürgen und mich Hunger und Durst ins Cateringzelt. Wir wünschen uns Currywurst. Diesem Wunsch kann entsprochen werden… „Da habt ihr ´ne Bratwurst. Da steht Ketchup. Brötchen dazu?“

Von diesem Moment an versuchen Jürgen und ich jährlich die kulinarische Vielfalt der Uckermark mit der ur-ruhrgebietischen Currywurst zu bereichern!

Ja, ja… Berlin schreit jetzt wieder Frevel! Die Currywurst sei eine berlinerische Errungenschaft! Ich sage nur: Kann ja sein, dass ihr Berliner (bei uns an der Ruhr übrigens ein „Pfannkuchen“) einst auf die Idee gekommen seid, Currypulver über die Wurst zu streuen. Aber kultiviert wurde (und wird) die Currywurst an der Ruhr!

Beweis gefällig? Hier: „Kommse vonne Stadt, wat macht dich da satt? ´ne Currywurst!“ -nach Herbie Grönemyer.

Die Premierenfeier im Anschluss an die erfolgreich abgelaufene Vorstellung ist lustig und lang. Und wir beiden Weitgereisten werden voll mit eingebunden. Es ist schon erstaunlich, dass sich rund 100 Leute zusammen finden und als Laiendarsteller ein Theaterstück wie dieses auf die Beine stellen. Jürgen und ich sind mitten drin!

Wir lachen viel. Und fangen dann auch noch an zu singen. Und da fällt Jürgen nicht mehr der komplette Text von „…einst bin ich die Straße lang gegangen…“ ein. Also Mobiltelefon raus, kurzer Blick auf die Uhr, 1:00 Uhr Samstag-Morgen und Jürgen ruft mal eben bei Familie Bluhm an.

Tatsächlich nimmt eine verschlafene, im Fortgang des Telefonats nicht sonderlich begeisterte Judith den Hörer ab. Aber nur, um ihn kurz danach an Michael weiter zu geben!

Michael klärt Jürgen über den Text auf. Kurz danach können wir das Liedchen korrekt singen.

Danke, Familie Bluhm; mit euch kann man arbeiten!

 

Es muss irgendwann um 3 Uhr sein, als wir in unsere Bettchen fallen. Oder noch später…

 

Samstag 10.September 2011, der Tag…

Gemeinsames Frühstück. Sylke macht den Laden auf.

Martin zeigt uns noch eine spektakuläre Requisite eines vergangenen Historienspektakels; ein etwa drei Meter hohes, haariges Mammut! Danach muss er was arbeiten. Jürgen und ich machen uns auf den Weg mit seinem 353 nach Neubrandenburg.

Neubrandenburg ist die Kreisstadt des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern. „Die drittgrößte Stadt des Bundeslandes ist als eines der vier Oberzentren der Hauptort im Südosten mit einem Einzugsgebiet für etwa eine halbe Million Menschen.“ (laut Wikipedia)

Dass Neubrandenburg u.a. „für seine besterhaltene Stadtbefestigung der Backsteingotik bekannt“ ist, wie Wikipedia weiter ausführt, können wir absolut bestätigen.

de.wikipedia.org/wiki/Neubrandenburg

Allerdings haben sich Staat und Architekten der Nachkriegszeit auch in Neubrandenburg ziemlich ausgetobt. So kommen Jürgen und ich auch in den Genuss moderner DDR-Architektur.

Aber was schreibe ich da…? Dieser Umstand ist schließlich nicht DDR-spezifisch. In vielen deutsch-deutschen Städten wurde unbedacht mit historischer Bausubstanz umgegangen. Wenn ich in diesem Zusammenhang nur an den Stadtteil Essen-Steele denke, wo die „Stadtranderneuerung“ Ende der 1960er / Anfang der 1970er Jahre ein vorindustrielles Fachwerkdorf abreißen ließ und durch „modernen“ Städtebau ersetzte! Aber das ist eine andere Geschichte…

de.wikipedia.org/wiki/Steele_(Essen)#Sanierung_der_1960er_und_1970er_Jahre

Unser sehr leckeres Mittagessen nehmen wir in historischem Gemäuer (bzw. davor auf der Sonnenterrasse) ein. Im Wiekhaus 45.

Wiekhäuser sind eine Sonderform von Verteidigungsbauten, die auf der Stadtmauer gebaut worden sind, bzw. in diese integriert sind. So auch das Wiekhaus 45, das als Fachwerkhaus ausgeführt wurde und heute ein Restaurant beherbergt.

de.wikipedia.org/wiki/Wiekhaus

http://wiekhaus.de/

Gegen 18 Uhr machen wir uns auf den Rückweg nach Prenzlau.

 

Samstag 10.September 2011, die Vorstellung und der Abend…

Es bewahrheitet sich, was Martin und auch seine Schauspielerfreunde sagen. Jeden Abend ist das Publikum des Historienspektakels völlig unterschiedlich! Lacher und Applaus differieren in Intensität und Platzierung.

Aber auch heute Abend ist die Aufführung gut besucht und wird erfolgreich durchgeführt. Bis auf eine kleine Abweichung in Bezug auf den Einsatz des med…

Wie schon zuvor im Text angedeutet ist es heute Abend regnerisch und feucht. So sind die Scheiben im med beschlagen und mangels Motorwärme und konstruktiv bedingtem, schwachen Gebläse nicht auf die Schnelle frei zu bekommen. Ich konnte den med ja nicht während der Vorstellung hinter der Bühne warmlaufen lassen…

So kommt es dazu, dass ich beim Rückstoßen die an den Bordstein gelegten Bohlen verpasse und der med mit seinem Frontspoiler unsanft und lautstark den Bordstein touchiert!

Die Szene am Schwesternwohnheim muss daraufhin ein zweites Mal begonnen werden, da die Aufmerksamkeit des Publikums nach hinten, weg von der Bühne, auf den med gerichtet ist.

Ist aber weiter nichts Großes passiert. Spoiler etwas verbogen halt. Nicht so schlimm.

Schön aber, dass ich nachher von mehreren Zuschauern (und auch von Darstellern) nach dem Schaden sorgenvoll befragt werde.

Natürlich wird es wieder spät. Oder früh… Auf jeden Fall ist es hinter der Bühne nach der Vorstellung wieder total schön!

 

Sonntag 11.September 2011, der Tag…

Etwas später als an den vorherigen Tagen finden wir uns zum gemeinsamen, gemütlichen, leckeren Frühstück ein.

Jürgen und ich starten mit seinem 353 in Richtung Boitzenburg / Uckermark. Über malerische, schier endlos erscheinende Alleen führt uns unsere Fahrt. Hier scheinen sich Jürgens Beobachtungen bezüglich der Geschwindigkeitsanzeige seines 353 zu bestätigen. Bei einer Anzeige von 50km/h fahren wir etwa 70km/h schnell. Egal, die Fahrt durch die Uckermark ist wunderschön. Tipp: Seht´s euch mal selbst an! Besucht die Uckermark!

www.gemeinde-boitzenburger-land.de/

de.wikipedia.org/wiki/Boitzenburger_Land

Wir steuern das Schloss Boitzenburg an. Die Beschreibung bei Wikipedia kann kaum wiedergeben, wie schön es hier ist. Wir sitzen auf einer kleinen Terrasse, essen lecker, trinken leckeren Kaffee und genießen der Ausblick in den herrlichen Schlosspark und das muntere Treiben dort. Wir fühlen uns beinahe als die Schlossherren…

de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Boitzenburg

Vom Schloss Boitzenburg machen wir uns auf den weiteren, unbestimmten Weg. An einem Wegweiser „Gollmitzer Mühle“ biegen wir ab. Auch weil uns der Kaffee auf die Blase drückt…

Die Gollmitzer Mühle ist eine Wassermühle, wie sich herausstellt. Sie liegt in der Gemeinde Nordwestuckermark, die über 700 Jahre alt ist und 920 Einwohner vorweisen kann. Schön in diesem Zusammenhang ist, dass eine der aufgeführten Internetseiten die Uckermark als „Toscana des Nordens“ bezeichnet. Zwar war ich nie in der Toscana, aber wenn es dort so schön ist, sollte ich mal hinfahren!

Ohne es zu wissen sehen wir hier das größter Mühlrad in Berlin-Brandenburg.

wassermuehle-gollmitz.de/Wassermuehle/Willkommen.html

https://reiseziel-uckermark.de/wassermuehle-gollmitz/

 

Sonntag 11.September 2011, der Abend…

Pünktlich genug zur Vorstellung des Historienspektakels sind Jürgen und ich wieder zurück in Prenzlau.

Heute klappt es wieder mit dem Treffen der Bohlen mit den Reifen des med. Auch ist das Publikum wieder ganz anders als gestern. Wie auch die Schauspieler und die Vorstellung…

Traditionell wird die letzte Vorstellung des Jahres von den Darstellern individuell gestaltet. Natürlich größtenteils unter Einhaltung der Story und den Stichworten im Kontext der Darsteller.

Wobei letzteres nicht immer so ganz hinhaut…

Egal, die Vorstellung ist wieder klasse. Und auch das Zusammensein danach. Auch wenn dies -naturgemäß an einem Sonntag- nicht ganz so ausgiebig ausfällt. Zudem auch noch das Ein oder Andere schon mal abgebaut und verstaut wird.

 

Montag 12.September 2011, Heimfahrt…

Frühstück. Herzliche Verabschiedung. Abfahrt zweier Wartburg mit glücklicher, unternehmungslustiger Besatzung.

Da war doch noch was… Richtig! Ich wollte doch noch nach Bad Doberan (Betonung übrigens auf dem O) und nach Kühlungsborn. Jürgen will auch. Also los! Nix wie hin!

Bad Doberan ist das erste Etappenziel unserer gemütlichen Heimfahrt. Selbstverständlich parken wir unsere Wartburg in der Mollistraße! Gar keine Frage! Muss sein!

Und wir sind solche Günstlinge der Glücks! Nein, uns wird nicht ins Gesicht gespuckt (siehe Monty Python „Das Leben des Brain“ de.wikipedia.org/wiki/Das_Leben_des_Brian). Aber der Molli hält direkt neben unseren abgestellten Wartburg! Wenn das nicht eine Fotoserie wert ist!

Nach einem Gespräch mit der Molli-Besatzung, Jürgens Umarmung der Frank-Zappa-Büste und einem Rundgang durch Doberan machen wir uns auf die nächste Etappe.

Es heißt wirklich korrekterweise der Molli. Beziehungsweise die Bäderbahn Molli. Der Legende nach soll in den Anfangsjahren der Bäderbahn der kleine Hund eines weiblichen, recht beleibten Kurgastes aus dieser gefallen sein. Da dieser Hund ein Rüde war und auf den Namen Molli hörte, heißt die Bäderbahn seitdem der Molli.

de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A4derbahn_Molli

Von Bad Doberan nach Kühlungsborn (korrekt „Ostseebad Bad Kühlungsborn“, entstanden 1938 aus den zuvor eigenständigen Gemeinden Brunshaupten-Fulgen und Arendsee) ist es nicht weit.

Gegen Mittag erreichen wir Kühlungsborn, parken unsere Wartburg im ehemaligen Arendsee und gehen am Strand entlang ins ehemalige Brunshaupten. Direkt an der Strandpromenade nehmen wir auf der Terrasse des Restaurants „Fischland“ platz.

Als wir unsere Fischspezialitäten genussvoll verputzen, meldet sich ein Gast am Nebentisch. Er sagt zustimmungserheischend, dass der Fisch hier ja sehr gut sei. Er sagt weiter, dass dies daran läge, dass der Wirt jeden Morgen selbst aufs Meer rausführe, um allen angebotenen Fisch selbst zu fangen.

Der Wirt hier nimmt echt einiges auf sich, um den Fisch selbst zu fangen! Jeden Morgen erst bis in den Atlantik und dann auch noch ins Flusssystem in Thailand, wo der Süßwasserfisch Pangasius zu finden ist! Er muss morgens echt richtig früh raus!

Denn unsere Mahlzeit besteht u.a. aus Alaska-Seelachs und Pangasiusfilet. JJJ

de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BChlungsborn

Von Kühlungsborn machen wir uns dann auf dem schnellsten Weg zurück nach Hause. Schade, das schöne Wochenende ist schon vorbei! Aber im nächsten September kommen wir ja wieder!

 

Gruß,

/ Dirk Ekhard Köhne