E - wie Erneuert (Signale 72-93)

Martin Völz wünscht einen guten Start in die Saison

Martin Völz wünscht einen guten Start in die Saison

Liebe Wartburg-Freunde, liebe IFA-Liebhaber!

Schon lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen; die Gründe sind vielfältig. Nicht zuletzt liegt es daran, dass ich mich der sich rasant ändernden Computertechnik nicht gern unterwerfen mag.

Ich wäre mit XP weiter glücklich gewesen. Zum anderen erlebe ich es tatsächlich noch, dass das deutsche Handwerk wieder gefragt ist. Was gut ist und dann spaß macht, wenn tatsächlich mal eine Baustelle gut läuft. Die Regel ist allerdings, dass der "Zuruf" allzu oft der Termingeber ist. Plan war mal. Die handwerkliche Zukunft wird schwierig werden. Es gibt nur wenige enthusiastische junge Leute, die sich vorstellen können, den Meister zu machen um einen Betrieb zu führen. Das Handwerk sucht händeringend Nachwuchs, Im Osten wie im Westen. Die (studentische) Jugend behilft sich jetzt schon mit "YouTube". Da wird mal schnell nachgeguckt, wie man es macht und dann kommt die Feuerwehr und löscht den brennenden Herdanschluß. Der besorgte Vater fragte mich dann, was die beiden verkehrt gemacht haben könnten. Bis jetzt zahlt die Versicherung noch bei fahrlässig verursachten Schäden. Mal sehen was wird, wenn diese Generation dann Häuser baut. Soweit zum Beruf und nun zum Hobby.

Manchmal bekommt man hierzulande sogar noch Teile geschenkt. Ein Bekannter hat hat beim Ausräumen eines Nachlasses einen Wartburg-Bootsmotor, ein 353er Getriebe mit sorgfältig drauf gepinseltem "E" und einen gut gebrauchten Trabbimotor gerettet und mir übereignet. Das hat mich gefreut. Allerdings weiß ich nicht, was das rote "E" auf dem Getriebe bedeutet. Ein "R" würde für "Regeneriert" stehen, vielleicht heißt das "E" ja "Erneuert". Ich weiß auch, dass Wartburgmotore in Booten verbaut waren und habe ein elegantes Exemplar mit Holzrumpf in einer Privatsammlung einmal bestaunen dürfen. Der Motor sitzt fest montiert im Heck, gekühlt wird direkt mit Seewasser.  Windschutzscheibe, Armaturenbrett und Lenkrad waren vom 311er verbaut. Nun wisst Ihr, was mir noch fehlt. Ich hätte ein Faltboot RZ 85 im Gegenzug zu bieten.

Trotz aller Zeitknappheit zum Schrauben sind der Ihling-Trans und der 312 Camping einsatzbereit und haben auch in diesem Jahr etliche Kilometer absolvieren müssen. Mit dem 312 ging das sehr gut und pannenfrei. Neben etlichen kleinen Runden in der Umgebung gab es die große Fahrt zum Jahrestreffen des EDWFC nach Wernigerode und eine Sonntagsfahrt nach Wittenberg in die Lutherstadt.

Ich war vor unserem Besuch in Wernigerode noch nie im Harz. Nach dem Besuch muss ich sagen, dass ich auch jetzt noch nicht so richtig da war, denn die Stadt liegt am Fuß der Berge und Wälder. Ich habe mich gefreut, dass sich etliche von uns auf den Weg gemacht hatten, damit wir ein Wochenende beisammen sein konnten. Stadt- und Museumsbesuche, sowie gemeinsam verbrachte Abende incl. Mitgliederversammlung und Vorstandswahl erweiterten den Horizont und förderten den Gemeinsinn des Vereins. Herzlichen Dank für die Wiederwahl zum 1. Vorsitzenden! Für mich war es ein erholsames und entschleunigtes Wochenende. Ich habe in Wernigerode meinen Traumjob gefunden. Ich werde Türmer der St. Marienkirche von Prenzlau. Während der Saison hocke ich mich in die Touri-Information der Kirche und stelle den Besuchern für die Turmbesteigung oder die Besichtigung Zertifikate aus, sammle Spenden und labere die Leute mit Geschichten und Geschichte zu. Vielleicht ist die Idee mit dem bedingungslosen Grundeinkommen doch nicht so schlecht.

Für die Rückfahrt wählte ich eine Landstraßenroute, da ich die Stadt Stendal besichtigen wollte. In der Stadtgründungsurkunde von Prenzlau von 1234 ist festgehalten, dass "Verwaltungsbeamte" aus Stendal hier tätig wurden. Ich war schon seit langem neugierig auf diese "Partnerstadt", weil sie in ihrem Grundriss Prenzlau ähnelt, was ich fasziniert zur Kenntnis nahm. Für alle Feinschmecker sei erwähnt, dass es außer viel historischer Bausubstanz (die Russen waren nicht bis hierhergekommen) ein hervorragendes Stadtcafé gibt.

Unsere Tochter hatte uns am Sonntag darauf nach Wittenberg eingeladen, da sie dort für die christlichen Pfadfinder anlässlich des Lutherjubiläums für einige Zeit tätig war. Zur Stadt ist zu sagen, dass auch hier die Russen nicht waren und der Verfall dank der "Wende" gestoppt wurde. In welch abgelegener Provinz Luther im Wesentlichen gelebt hat, wurde mir bei diesem Besuch klar. Für den historisch Interessierten gibt es viel zu sehen. Nach ihrem Dienstschluss gingen wir mit unserer Tochter ganz neumodern indisch Essen, um noch zwei gemeinsame Stunden an diesem Tag mit ihr zu verleben. Für den Wartburg und für uns war es eine Tagestour von ca. 500 Kilometern.

  Mein Warburg 353 Ihling Trans fährt gut. Seit dem Frühjahr hatte ich schon ein paar längere und kürzere Fahrten absolviert. Seit ich den Jikov-Vergaser ergründet und seine anscheinend unzulängliche Materialqualität verstanden habe, sind wir gut unterwegs. Man muss von Zeit zu Zeit alle Schraubverbindungen nachziehen, damit keine Nebenluft gezogen wird, was zu Zylinderkopfdichtungsschäden oder erhöhtem Benzinverbrauch führen kann. So machte ich mich frohen Mutes auf, um nach Eisenach zum Heimweh-Treffen zu fahren. Doch bei Leipzig war die Fahrt zu Ende. Irgendwie gab es bei ca. 100 auf der Autobahn einen Hieb im Vorderwagen, verbunden mit metallischen Geräuschen. Im Dunkeln war kein Fehler zu finden und fahren konnte ich noch. Der Freund unserer Tochter ist in Leipzig zu Hause und ohne GPS gelangte ich intuitiv aus der Erinnerung heraus dorthin. Wegen des lauen Sommerabends besuchten wir dann den nächst gelegenen Biergarten. Um es kurz zu machen: der gute alte Pneumant-Reifen von 1988 des rechten Vorderrades hatte einen Teil seiner Lauffläche verloren und damit den ganzen Vorderwagen instabil gemacht. Das habe ich aber erst festgestellt, als wir den Abschleppservice des AvD aktiviert hatten, denn ich hatte auf eine defekte Gelenkwelle getippt. Der Reifenschaden war im Stand des Autos zufällig nicht zu sehen und außerdem hatte ich den Fehler auf der linken Antriebsseite gesucht. Nun bin ich wieder schlauer. Statt in Eisenach hatte ich nun ein schönes Wochenende bei den Kindern in meiner alten Studienstadt Leipzig, die übrigens auch eine Reise wert ist und der Geheimtipp unter den ostdeutschen Großstädten.

Ich hoffe und wünsche, dass alle, die mit ihren alten Autos unterwegs waren, ebenso gute Erinnerungen an das Jahr 2017 haben, auch wenn nicht immer alles "rund" gelaufen ist.

Für das kommende Jahr gibt es natürlich immer wieder neu die alten Vorsätze, nun endlich mal den seit langem halb auseinander genommenen Wartburg wieder fahrfertig zu machen, vielleicht doch mal schweißen zu lernen oder einfach nur den seit ebenfalls langer Zeit herumstehenden, aber fahrtüchtigen, anderen Wartburg über den TÜV zu bringen. Die Garage aufzuräumen ist dabei nicht zu vergessen.

Vermutlich wird dieser Beitrag erst 2018 von Euch gelesen, also die besten Wünsche zur neuen Saison, verbunden mit der Hoffnung, dass ihr alle eine besinnliche Weihnacht und einen guten Jahreswechsel hattet.