Herzlichen Glückwunsch! (Signale 72-93)

Detail med-spezifische Ausstattung – Schriftzug auf Motorhaube & zusätzlicher Außenspiegel - Foto: D.E. Köhne

In den beiden letzten Ausgaben der „Signale“ habe ich euch die Historie meines med vorgestellt. Die Aufstellung endete im April 2016 mit seiner aktuellen HU-Abnahme.

Nun geht es an die Ausstattungsdetails meines med.

 

Besonderheiten des med HD

Während seiner Bauzeit wurde der Wartburg 353 S Tourist med HD vom Automobilwerk Eisenach gefertigt und zur Komplettierung an das Karosseriewerk Dresden (vormals Gläser) geliefert. Hier wurden die med- spezifischen Um- und Einbauten vorgenommen.

Beginnen wir mit der Betrachtung der besonderen Ausstattung des med außen.

Als gravierendste Besonderheit des med fällt als Erstes natürlich seine Außenlackierung ins Auge. Auf dem -auch in der Serienausführung lieferbaren- atlasweißen Lack sind Streifen in „Fluoxena- Leuchtfarbe rot“ aufgebracht. So nennt es die Bedienungsanleitung, doch ist dieses rot mit dem an MZ- Motorrädern verwendeten rot identisch.

Zusätzlich zu den roten Streifen sind auf der Motorhaube rechts vorn (siehe Bild 08) und unterhalb auf den Türen die Schriftzüge „Medizinischer Hausbesuch“ und ein stilisierter Äskulapstab in mattschwarz auflackiert (siehe Bild 09). Dieser Schriftzug und Äskulapstab findet sich an der Heckscheibe wieder, wo er von innen in weiß auflackiert ist. Bei meinem med ist letztgenannter Schriftzug durch Folienschrift ersetzt, da der originale Schriftzug abgeblättert war.

Zu den bereits erwähnten Beschriftungen an den Türen sind dort zusätzliche Schriftzüge „Medizinisches Zentrum Nord – Rostock“ mattschwarz im roten Streifen auflackiert. Die Vermutung liegt nahe, dass diese nicht werksseitig angebracht waren, sondern von den jeweiligen Klinken selbst angebracht wurden (siehe Bild 09).

 

Wie auf Bild 08 zu sehen, ist auf dem vorderen, rechten Kotflügel ein zusätzlicher Außenspiegel angebracht. Dieser ist notwendig, da der Beifahrersitz um 180° gedreht eingesetzt werden kann, was zur Behandlung von Liegendkranken durch einen Arzt nötig ist. Wird der Beifahrersitz dergestalt genutzt, ist dem Fahrer der Blick zum Tür- Außenspiegel verdeckt.

Wie in der Ausführung S üblich, ist auch beim med ein Schiebedach montiert. Allerdings entspricht der angebrachte Windabweiser nicht der Serie. Der des med besteht aus undurchsichtigem, weißem Kunststoff und ist deutlich größer (siehe Bild 10).

Laut Beilage zur Betriebsanleitung med hebt den Nutzen des Schiebedachs zur zugfreien Lüftung beim Transport von Liegenkranken hervor.

 

Vor dem Schiebedach ist eine Funkantenne angebracht (siehe Bild 10).

An der linken, vorderen Dachecke ist ein vom Innenraum schaltbarer, aber nicht von innen verstellbarer Suchscheinwerfer montiert. Diesen kann der Fahrer durch das geöffnete Seitenfenster bedienen (siehe Bild 10).

Damit sind die med- spezifischen Besonderheiten an der Außenhaut des Fahrzeugs alle erklärt. Wenden wir uns also den „inneren Werten“ zu.

 

Dabei beginne ich mit der Beschreibung im Motorraum.

Auf dem Innenkotflügel (Radhaus) im Motorraum rechts ist ein Kasten für Kfz- Ersatzteile und Werkzeuge angebracht. Dieser Kasten besteht aus schwarz lackiertem Stahlblech und hat einen abnehmbaren Deckel. Die Form der Kastenwände und seines Bodens sind an die Rundung des Radhauses angepasst. In diesem Kasten bewahre ich kleine Ersatzteile auf, die man während einer Ausfahrt benötigen könnte (siehe Bild 11).

 

Auf dem linken Innenkotflügel (Radhaus) ist eine Zusatzheizung Typ Skirocco 211 verbaut, wie sie auch im Zubehörhandel für den Privatkunden erhältlich war. Diese Warmluftheizung erhält ihre Ansaugluft durch einen etwa 80 mm im Durchmesser dicken Metallschlauch, der hinter der vorderen Stoßstange zur rechten Fahrzeugseite geführt ist und hinter dem rechten Scheinwerfer endet (siehe Bild 12).

Dieser Luftansaugschlauch klappert teilweise stark auf dem Fahrzeugrahmen. Auf einer Ausfahrt dachte ich mal, die Vorderachse sein ausgeschlagen…

Die erwärmte Luft wird mittels eines Metallflexschlauches von einem Durchmesser von ca. 50 mm durch die Stirnwand in den Innenraum geführt und erreicht diesen im Bereich des Fahrerfußraumes.

Auf dem linken Kotflügel, direkt vor dem linken Haubenscharnier ist ein zusätzlicher Sicherungskasten installiert, durch den die elektrische Versorgung der zusätzlichen Verbraucher gewährleistet wird.

Damit sind die zusätzlichen Einbauten im Bereich des Motorraumes ebenfalls abgehandelt.

 

Bleibt also jetzt noch der Innenraum zu betrachten.

Doch gerade der birgt naturgemäß die umfangreichsten Modifikationen, um aus einer handelsüblichen Kombilimousine ein Krankentransportfahrzeug zu machen.

Orientieren wir uns vom Fahrersitz beginnend und arbeiten uns bis zum Heck vor.

 

Zuallererst fällt im Innenraum des med auf, dass die Sitze und Türverkleidungen mit glattem, braunen Kunststoff bezogen sind. Auch auffällig sind die Frontsitze, die so nicht in einem serienmäßigen Wartburg verbaut worden sind. Es scheinen Sitze zu sein, die aus dem PKW Trabant entliehen worden sind. Doch unterscheiden sie sich in einigen Details von diesen. So sind bspw. Bauteile der Sitzlehenverstellung nicht baugleich mit den im Trabant verwendeten Teilen. (siehe Bild 13)

 

Im Blickfeld des Fahrers liegen, links auf der Ablage unterhalb der Armaturentafel montiert die Schalter für den Suchscheinwerfer (grün) und die Schalter (gelb) für die drei im Fahrzeug montierten Arbeitsscheinwerfer mit zusammen 700 lux (siehe Bild 14).

Der zweite montierte grüne Schalter ist für die Ausführung SMH (SMH /Schnelle Medizinische Hilfe) vorgesehen. Hierbei ist zudem ein weiterer Arbeitsscheinwerfer an der Heckklappe montiert, der mit diesem Schalter bedient wird.

 

Oberhalb dieser Schalter ist an der Unterkante der Armaturentafel die Bedieneinheit der Zusatzheizung montiert (siehe Bild 14).

 

Vor dem Beifahrer ist unterhalb der Armaturentafel eine Leseleuchte montiert. Eine weitere Leseleuchte befindet sich im Heck des med unterhalb der Liege- / Ladefläche.

 

Auf der Armaturentafel vor dem Beifahrersitz ist der Hörer des Funkgerätes installiert. Das Funkgerät selbst ist unter dem Beifahrersitz montiert. Beides fehlt in meinem med. Den Hörer ersetzt ein alter Telefonhörer (siehe Bild 15). Der bereits bei ebay ersteigerte originalgetreue Funkhörer ist irgendwie unauffindbar…

Das Empfangsgerät der Funkanlage ist im med üblicherweise unterhalb des Beifahrersitzes angebracht. Wie auch das Bedienteil der Funkanlage, welche im med gewöhnlich auf der rechten Ablage unter dem Armaturenbrett installiert ist, fehlen diese bei meinem med leider.

Bislang konnte ich mich noch nicht dazu durchringen, die geforderten Preise von Angeboten passender Funkanlagen in ebay zahlen zu wollen. Wenn also jemand eine Funkanlage für meinen med hat und sich vorstellen könnte, diese abzugeben, bitte melden. (Funktion ist für mich zweitrangig.)

Entgegen geltenden Vorschriften für Krankenfahrzeuge in der DDR ist in meinem med ein Autosuper (Autoradio) eingebaut. Es handelt sich hier um ein VRF Blankenburg A345 (siehe Bild 15).

Auf Bild 15 ist ein weiteres Autoradio zu erkennen, welches ich auf der Ablage unterhalb der Armaturentafel installiert habe. Das originale VRF Blankenburg überzeugt zum einen nicht beim Empfang, zum anderen war es mir damals wichtig, Cassetten abspielen zu können. Aktuell stört mich das zusätzliche Radio mehr und mehr, so dass ich es demnächst wohl wieder ausbauen werde. Aber was dann ? Empfang des Blankenburg ist mies, zudem fehlt ein Drehknopf. Und es hat auch keine Normbuchse, an der man einen MP-Player anschließen könnte…

 

An allen Türen fehlen die in der Serie üblichen Armlehnen. An der Fahrertür ist eine Dokumententasche angebracht, die nicht abschließbar ist. Der Deckel dieser Tasche dient als Armlehne. Da die herkömmlichen Armlehnen fehlen, an den sonst die Türen zugezogen werden, sind oberhalb der Türverkleidung Zuziehgriffe montiert, die man vom Trabant her kennt. Nur sind sie beim med etwas länger (siehe Bild 16).

Wie an der Fahrertür ist auch an der Beifahrertür eine Dokumententasche montiert (siehe Bild 17). Hier ist diese jedoch abschließbar, dient aber genauso als Ersatz der in Serienausführungen üblicherweise montierten Armlehne. Vor dieser Tasche ist eine weitere, erheblich kleinere Tasche, ebenfalls mit Deckel angebracht. Hier werden Spritzen aufbewahrt (siehe Bild 18).

 

Unterhalb der Dokumententasche der Beifahrertür ist die so genannte Trockenwaschstation angebracht. In einem Blechformteil, welches in Wagenfarbe lackiert ist, stecken fünf hellblaue Kunststoffflaschen mit gelochten, weißen Deckeln. Darin befinden sich spezielle Pulver zur Handreinigung ohne Wasser (siehe Bild 17).

Leider fehlen an meinem med zwei dieser Flaschen.

Der Beifahrersitz ist im Abstand zur Armaturentafel nicht verstellbar. Er ist in speziellen Schienen eingehängt und kann herausgenommen und um 180° gedreht wieder eingesetzt werden. In dieser Stellung -dann entgegengesetzt der Fahrtrichtung- kann der Arzt (Beifahrer) den Liegendkranken betreuen.

Der Beifahrersitz besitzt einen zusätzlichen 2-Punkt-Statikgurt. Dieser wird zur Sicherung des Beifahrers genutzt, wenn der Sitz um 180° gedreht, also entgegen der Fahrtrichtung eingesetzt ist (siehe Bild 19 & 20).

 

Der Bodenbelag ist aus Kunststoff-Formwannen und -Matten gefertigt. Beim verwendeten Material handelt es sich um sogenanntes Leunapor. In Verbindung mit den kunststoffbezogenen Sitzen und Türverkleidungen wird eine einfache Reinigung ermöglich. Diese kann auch feucht und mit aseptischen Mitteln erfolgen (siehe Bild 21).

Angenehmer Effekt im Gebrauch des med als Hobbyfahrzeug ist, dass der Innenraum nicht ausgesaugt werden muss. Einfaches Ausfegen, bzw. abwischen der Sitze und Türverkleidungen reicht im Normalfall aus. Im Bedarfsfall lassen sich die Formmatten herausnehmen und mit Wasser reinigen.

Unter dem Fahrersitz ist in einer speziellen Aufnahme ein erweiterter Bordwerkzeugsatz in einem flachen Koffer untergebracht. Das Werkzeug ist im Koffer in einem Kunststoff-Formteil untergebracht (siehe Bild 22).

Die Werkzeuge sind in meinem med fast vollständig vorhanden. Leider löst sich die Ummantelung des Werkzeugkoffers in meinem med trotz mehrfacher Kleb-Versuche immer wieder.

 

Der Dachhimmel im med ist mit einem glatten Kunststoffmaterial ausgeführt. Im Bereich über den Frontsitzen sind drei Reißverschlüsse eingearbeitet, durch die man die Verkabelung des Suchscheinwerfers und die der Arbeitsleuchte erreichen kann (siehe Bild 23).

Am Dachhimmel sind oberhalb des rückwärtigen Fußraums links und rechts, sowie links oberhalb der Ladefläche Arbeitsleuchten angebracht. Diese werden vom Bedientableau unter der Armaturentafel geschaltet. Gesamte Leuchtkraft der drei Arbeitsleuchten beträgt 700 lux laut Beilage zu Betriebsanleitung med (siehe Bild 24).

Im Bereich der Arbeitsleuchten oberhalb des Fußraums sind links und rechts Aufnahmen für Injektionsflaschen vorhanden. Ferner befinden sich hier, ebenfalls links und rechts 12V-Steckdosen. Oberhalb der Ladefläche wurde auf die Aufnahmen für Injektionsflaschen verzichtet. Die Steckdose hier ist nahe der Heckklappe installiert.

Hier findet der vorletzte Teil meines Berichts zu meinem med sein Ende. Im letzten Teil, in der nächsten „Signale“-Ausgabe geht es mit der Beschreibung des Innenraums weiter.