Schlösser, Hexen, EDWFC (Signale 72-93)

EDWFC-Jahrestreffen 2017 in Wernigerode

EDWFC-Jahrestreffen 2017 in Wernigerode

Die bunte Stadt am Harz hatte sich anlässlich unseres Besuches besonders viel Mühe gegeben. Schon ohne das Jahrestreffen des EDWFC in Wernigerode sind sowohl Region, als auch die Stadt selbst immer eine Reise Wert.

Aber wenn unser EDWFC-Jahrestreffen auch gleich noch der Anlass für ein Altstadtfest darstellt, freut uns das besonders. Wir müssen zwar zugeben, dass das Altstadtfest auch vor unserem Besuch schon einige Male stattgefunden haben soll, aber auch diese löbliche Gründlichkeit der Wernigeröder Bevölkerung gilt es unbedingt positiv hervorzuheben: sie haben ihr Altstadtfest eben so lange geübt, dass es auf jeden Fall am Wochenende zwischen dem 18. und 20. August 2017 klappen musste!

Ja und Spaß hatten sie dort auch. Wie sonst wäre es wohl zu erklären, dass das 33.000 Einwohner zählende Städtchen auch im kommenden Jahr wieder ein solches Fest plant, auch wenn der EDWFC dafür nun leider keine Zusagen machen konnte…

Um meinen Text in diesem Stile fortsetzen zu können, müsste ich mir einen „Schierker Feuerstein“ oder ein Glas „Hexen-Flugbenzin“ einfüllen.

Das will ich jedoch meinen Lesern und mir ersparen und komme deshalb wieder ein wenig zurück auf den Boden der Tatsachen.

Worin bestehen indes die Tatsachen rund um das Wernigeröder Jahrestreffen des EDWFC?

Zum Ersten in besonders scheußlichem Wetter zur Anreise.

Wer gern Freitagnachmittag auf Deutschlands Straßen und Autobahnen unterwegs ist, wird einen zusätzlichen, ordentlichen Regenschauer von mehreren Stunden Dauer durchaus in ein lebhaftes Bild fröhlichen Reisens umsetzen können.

Wir brauchten fast zwei Stunden länger, als uns das Navi bei der Abfahrt angezeigt hatte. Überall  gab es Staus infolge von hohem Verkehrsaufkommen, vielen Baustellen und außerordentlich lebhaftem Wetter.

Vergnügen sieht anders aus.

In Wernigerode selbst überraschte uns die Erkenntnis, dass unser Google-Navi nur vollkommen unzureichend über ausufernde Baustellen und Straßensperrungen Bescheid wusste. Ebenfalls müssen die Verkehrsplaner der Stadt erst kurz vor unserer Anreise sämtliche Einbahnstraßen in die jeweils entgegengesetzte Richtung „gedreht“ haben. Anders wäre es mir kaum möglich zu erklären, warum der Datenkrake Google so überhaupt gar nichts über die Straßenführung in Wernigerode wusste.

Kann natürlich Ausdruck einer neuen Bescheidenheit sein. Nach dem Motto: „Beruhigt Euch, Google weiß eben doch noch nicht alles!“.

Immerhin erwartete uns unsere Herbergsmutter geduldig in ihrer kleinen Nebenstraße im Zentrum und als wir, durch noch viel kleinere Nebengassen, auch endlich den Weg zu ihr gefunden hatten, hörte sogar der Regen langsam auf.

Der nächste Morgen grüßte uns mit herrlichem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen.

Der ganze Tag versprach ein echter Erfolg zu werden.

Auch das muss man den Wernigerödern zugestehen: einen guten Draht zu den Himmelsmächten scheinen sie zu haben. Aber ich wollte ja bei den Tatsachen bleiben…

Das eigentliche Treffen begann für uns am Samstagmorgen. Wir wanderten von unserer Wohnung zum Museum für Luftfahrt in Wernigerode. Nach 15 Minuten gemütlichem Fußmarsch waren wir da und wurden fröhlich von den Anderen begrüßt.

Schnell war klar, dass sich die Damen weitaus weniger für das technische Gerät in diesem Museum begeistern konnten und deshalb verlagerten sie ihr Vormittagsprogramm spontan in die Innenstadt.

Das „Herrenprogramm“ wurde plangemäß im Inneren des Luftfahrtmuseums fortgesetzt.

Die Ausstellung hat uns dann auch sehr viel Spaß gemacht. Es blieb zwar etwas im Dunkeln, warum ausgerechnet im Harz ein Luftfahrtmuseum steht, aber das dürfte einfach dem persönlichen Interesse von Initiator und Eigentümer Clemens Aulich geschuldet sein.

Hier konnten wir uns zwischen den über 50 Flugzeugen, in überwiegend restauriertem Zustand, umsehen und auch die Kinder durften erste eigene Erfahrungen sammeln in dem sie Flugzeuge „schwerer als Luft“ bauen und ausprobieren konnten.

Besonders interessant fand ich einen privat gebauten Einmannhubschrauber aus der DDR und einen Flugsimulator, der allerdings nur gegen Aufpreis nutzbar ist.

Etwas überraschend, aber nicht minder interessant war die im Keller untergebrachte Sonderausstellung zum Thema Radio, Fernsehen und Heimunterhaltung.

Radio über Radio stapelt sich hier. Kombinationsmöbel mit Fernseher, Radio und Schallplattenspieler, Unmengen Fernsehgeräte und einige uralte Computer nicht nur aus der Produktion der DDR.

Unsere Kinder begeisterten sich am meisten für die originale Wernigeröder Telefonanlage von 1928.

Die 10 davor und dahinter aufgestellten Telefone konnten tatsächlich miteinander verbunden werden.

Vor dem Hintergrund anhaltender Abgasdebatten, wirft das Luftfahrtmuseum einen durchaus interessanten Lösungsansatz in den Ring: Ein an den Auspuff eines Rolls Royce gebundener Wischlappen sorgt vermutlich für gefilterte Abgase am Luxusauto.

Ein wohl etwas ernster gemeinter Beitrag könnte das, vor dem Museum aufgestellte, Jetcar sein.

Hersteller ist die Jetcar Zukunftsfahrzeug GmbH, die dem Experimentalfahrzeug aus dem Jahr 2002 eine maximale Geschwindigkeit von 160 km/h bei ca. 2,5l Diesel/100 km bescheinigt.

Um einem Diesel-Fahrverbot zu entgehen, läßt sich das Jetcar aber auch mit Elektromotor ordern.

Auf dem Rückweg in die Stadt genossen wir die Vorbeifahrt der Harzer Schmalspurbahn mit ihren Dampflokomotiven.

Vier Stunden später trafen wir unsere, mittlerweile ebenfalls etwas erschöpft wirkenden, Frauen wieder im Ratskeller des berühmten Wernigeröder Rathauses.

Auch hier war die Erschöpfung deutlich zu spüren, hatten sie sich doch vollkommen unerschrocken durch die Geschäfte der Stadt gekämpft.

Nur wenig später waren Erschöpfung und Müdigkeit vergessen. Ein neuer Plan wurde gefasst und der Tag mit einer Kutschfahrt zum legendären Schloss von Wernigerode fortgeführt.

Da sich nicht alle Teilnehmer dazu entschließen mochten, reichten uns ein einzelner Kremser und ab ging die Fahrt den Schlossberg hinauf.

Der Besuch und die Besichtigung des Schlosses sind auf jeden Fall zu empfehlen.

Da der Nachmittag leider schon recht weit fortgeschritten war, mussten wir uns auf einen Spaziergang im Schlossgelände beschränken.

Nach unserer Rückkehr in die Stadt verabredeten wir uns für die Jahreshauptversammlung am Abend und trennten uns einstweilen.

Für die Versammlung stand uns leider nur der Gastraum des Wernigeröder Sporthotels zur Verfügung. Der hatte eine recht bescheidene Akkustik und wir mussten ihn uns mit den anderen Gästen des Restaurants teilen. Aber in der, vom EDWFC gewohnten, Ruhe und Sachlichkeit konnten wir unsere Versammlung auch unter diesen etwas weniger optimalen Bedingungen durchführen.

Dabei halfen auch das leckere Essen und die nicht minder schmackhaften Getränke aus überwiegend regionaler Herkunft.

Für den Sonntag stand noch eine Besichtigung des DDR-Design-Museums auf der Agenda.

Diese Ausstellung befindet sich in der unmittelbaren Nachbarschaft des Luftfahrtmuseums und wurde extra für uns geöffnet.

Im Interesse unserer Dampflok-begeisterten Jungs mussten wir jedoch darauf verzichten und verbrachten den Vormittag auf dem HSB-Bahnhof in Wernigerode.

Da wir aber weiterhin Glück mit dem Wetter hatten, war die Wartezeit auf der Aussichtsplattform kein allzu großes Opfer.

Außerdem belohnten wir uns vor der Rückfahrt noch mit einem Baumkuchen im berühmten Baumkuchenhaus der Stadt und beendeten ein gleichermaßen erlebnisreiches, schönes und doch auch anstrengendes Wochenende mit einer ruhigen und angenehmen Heimfahrt.

Insgesamt war unsere Harz-Tour ein wirklicher Erfolg: Tolle Stadt, schöne Unterkunft, (überwiegend) prima Wetter, unheimlich nette Leute und ein wirklich entspanntes Treffen. Was soll man sich da noch wünschen?

Vielen Dank an Martin Völz, der die bunte Stadt am Harz als Austragungsort unseres Treffens vorgeschlagen hat und vielen Dank an alle Teilnehmer, die diese Veranstaltung zu einem schönen und erlebnisreichen Ereignis gemacht haben.

Wohin die Reise in 2018 gehen soll haben wir in der Jahreshauptversammlung schon beschlossen. Auch in diesem Jahr rufen uns die Berge eines deutschen Mittelgebirges…

Mehr dazu jedoch an anderer Stelle in diesem Heft.