Japanischer Wartburg? (Signale 74-95)

Schnöde Kopie? „Nissan Rasheen 4x4“ - Baujahr 1994

Schnöde Kopie? „Nissan Rasheen 4x4“ - Baujahr 1994

Auf der vorletzten Oldtimermesse der „Bremen Classic Motorshow“ im Februar 2018, fiel mir ein recht seltsam anmutendes Auto ins Auge das dort zum Verkauf angeboten wurde.

Ausgewiesen war es als „Nissan Rasheen 4x4“ - Baujahr 1994, und die Frontalansicht erinnerte irgendwie an den Wartburg 353, vielleicht auch eher noch an den 1.3. Die vorderen Kotflügel dagegen hatten Ähnlichkeit mit den Lada-Typen der 2105 Reihe.

Neugierig geworden, klärte mich der prominente Verkäufer, ein gestandener Motorjournalist der Oldtimer-Markt, auf. Die Ähnlichkeit zum Wartburg ist tatsächlich kein Zufall. Nissan stellte Ende der 1980er Jahre sogenannte „Pike Cars“ her. Dies waren Kleinserien-Liebhabermodelle, die an klassische europäische Vorbilder als Repliken angelehnt waren. So gab es wohl für den japanischen Markt auch einen „Nissan S-Cargo“, der Elemente der „Kasten-Ente“ (Citroen 2 CV AZU) aufnahm, als auch einen Nissan Figaro der stilistisch dem Gutbrod Superior folgte, sowie einen „Nissan Pao“ als Anlehnung an den Morris Mini Countryman. All diese Autos waren nur für den japanischen Binnenmarkt bestimmt und wurden nie exportiert.

Der Nissan Rasheen nimmt nun tatsächlich bewusst das Frontmotiv des Wartburg 353 auf und versteht sich als dessen moderne Interpretation. Technisch beruht der Rasheen auf dem Nissan Sunny und ist mit einem 1,5 l - 16 V-Motor ausgestattet, der mit 105 PS den Wagen mit permanenten Allradantrieb bewegt. Schon luxuriös wirken bei einem Fahrzeug dieser Klasse und dieser Interpretation dabei die Ausstattung mit elektrischen Fensterhebern und einem Automatik-Overdrive-Getriebe.

Es ist schon bemerkenswert, dass sich ein Weltkonzern wie Nissan 1994 noch an eine DDR-Fahrzeugmarke erinnerte, die damals schon nicht mehr existierte. Offensichtlich hat die 22 jährige Fertigung des Wartburg 353, sogar Spuren im fernen Japan hinterlassen, obwohl dorthin nie ein Wartburg exportiert wurde.

Übrigens war nach dem Modell Nissan Rasheen im Jahr 2000 nach ca. 30.000 Fahrzeugen bei Nissan Schluss mit der Kleinserienfertigung der Pike Cars.

Sicher wäre dieses Auto ein Exot im Fundus des Eisenacher Automobilmuseums gewesen, aber unsere finanziellen Mittel sind leider begrenzt und wir haben vorrangig auch noch andere Wünsche. Jedenfalls hat der Nissan Rasheen in Bremen für ca. 6000 € dann doch noch den Besitzer gewechselt und ich weiß wenigstens, wo der Wagen künftig steht.